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Bewegendes Gedenken an ermordete Homberger Juden

Vor dem Haus in der Marktstraße 22 in Homberg (Ohm) erinnern jetzt drei Stolpersteine des Alsfelder Künstlers Gunter Demnig an die jüdischen Mitbürger Erna, Nathan und Irmgard Dessauer, die hier bis Mitte der 1930erJahre wohnten. Auf Messingplatten sind ihre Namen und Geburtsjahrgänge sowie Ort und Datum ihrer Ermordung eingraviert.
Vor gut einem Jahr hatte Irit Joseph einen Antrag an die Stadt gestellt, drei Stolpersteine zum Gedenken an ihre Verwandten in Auftrag geben zu dürfen. Erna Dessauer, geb. Jakob, war die Cousine ihrer Großmutter. Sie flüchtete mit ihrem Mann und ihrer Tochter 1934 in die Niederlande. Die Flucht nach Holland war nicht weit genug, die Familie Dessauer wurde in Westerbork interniert und deportiert. Am 28.08.1942 wurde die 16-jährige Tochter Irmgard in Auschwitz ermordet, am 28.05.1943 wurden die Eltern Erna und Nathan Dessauer in Sobibor ermordet.
Bürgermeisterin Claudia Blum begrüßte in ihrer Rede anlässlich der Verlegung der Stolpersteine besonders die 15 aus Israel angereisten Mitglieder der Familien Weihl und Jakob. „Es ist wichtig, dass auch an die jüdischen Homberger erinnert wird. Es ist immer wieder unsere Aufgabe, uns mit der Geschichte auseinanderzusetzen und diese sichtbar zu machen.“
Juden lebten wahrscheinlich bereits im Mittelalter in Homberg. Die jüdische Gemeinde in Homberg wurde 1707 gegründet. Um 1900 lebten 80, um 1930 noch 37 jüdische Mitbürger in Homberg, die bis 1940 alle wegzogen. Im damaligen Melderegister der Stadt aufgeführt sind Erna und Nathan Dessauer und auch Adolf und Flora Weihl, die vor 1937 nach Palästina zogen. Flora und Adolf Weihl waren die Großeltern der Antragstellerin Irit Joseph.
Bei der Verlegung der Stolpersteine durch den Künstler waren daneben auch Stadtverordnetenvorsteher Kai Widauer und Erste Stadträtin Petra Wolf sowie Ehrenbürgermeister Walter Seitz und weitere Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung anwesend.
Irit Josephs Bruder Rafael Ben Mordechai sprach ein sehr bewegendes Totengebet auf Hebräisch, ein „Kadisch“. Sie selbst erinnerte in einer emotionalen Ansprache an die drei Mitglieder der Familie Dessauer, nach deren schöner Tochter Irmgard sie benannt wurde.
Bürgermeisterin Blum dankte Irit Joseph für ihre Initiative: „Die Stolpersteine werden an Ihre Verwandten und das ihnen angetane Leid erinnern und uns ermahnen, jeder Form von Antisemitismus entgegenzutreten und für ein friedliches Miteinander einzutreten.“

Die drei Stolpersteine für die Familie Dessauer vor der Marktstraße 22, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)
Die drei Stolpersteine für die Familie Dessauer vor der Marktstraße 22, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)
Der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der Stolpersteine, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)
Der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der Stolpersteine, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)
Irit Joseph erinnert in einer emotionalen Ansprache an ihre ermordeten Verwandten, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)
Irit Joseph erinnert in einer emotionalen Ansprache an ihre ermordeten Verwandten, © Kratz/Stadt Homberg (Ohm)

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